Veröffentlicht am: Empfehlung
- Notfallschutz
- Radioökologie
Bedeutung von Runoff-Prozessen und der Radionuklidsorption an Sedimenten in Fließgewässern für den radiologischen Notfallschutz - Erweiterung des Entscheidungshilfesystems RODOS
Empfehlung der Strahlenschutzkommission
Verabschiedet in der 339. Sitzung der Strahlenschutzkommission am 28. Oktober 2025
Bekanntmachung im BAnz AT 26.02.2026 B2
Welche Bedeutung haben Runoff-Prozesse und die Anlagerung von Radionukliden an Sedimente in Gewässern und wie müssen diese in einem radiologischen Notfallschutz berücksichtigt werden?
-
In einem radiologischen Notfall ist es wichtig, schnell und nachvollziehbar Prognosen zur radiologischen Lage zu erstellen. Für diese Prognosen steht Entscheidungshilfemodell RODOS des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) zur Verfügung. Mit Hilfe von RODOS lassen sich die zukünftige Umweltkontamination und die zu erwartenden Dosen abschätzen. Diese Prognosen bilden die Grundlage für konkrete Notfallmaßnahmen, wie z.B. die Evakuierung der Bevölkerung, die von den zuständigen Behörden angeordnet werden können.
Durch Runoff-Prozesse wird das Niederschlagswasser auf oder unter der Landoberfläche in Oberflächengewässer abgeleitet und die Radionuklide und andere Stoffe mittransportiert. Dadurch wird die Gewässerkontamination deutlich erhöht. Das RODOS-System enthält bereits grundlegende Module zur Beschreibung von Runoff- und Transportprozesse in Oberflächengewässern. Diese Module werden derzeit in Deutschland nicht genutzt, da insbesondere die Runoff-Modellierung auf sehr groben Annahmen beruht. Eine künftige Nutzung und Erweiterung des RODOS-Systems zur frühzeitigen Einschätzung der radiologischen Belastung der Oberflächengewässer durch Runoff-Prozesse im Notfall ist erforderlich, um eine bessere Bewertungsgrundlage für die Angemessenheit von Maßnahmen zu schaffen.
-
- Wie wichtig sind Runoff-Prozesse, durch die radioaktive Stoffe durch Niederschlag in Gewässer gelangen können?
- Wie verhalten sich Radionuklide, wenn sie in Gewässern transportiert werden und sich dort an Sedimenten anlagern, und wie kann das besser modelliert werden?
- Wie gut ist das bestehende RODOS-System des BfS in der Lage, diese Prozesse zu modellieren und wo gibt es Verbesserungsbedarf?
-
- Runoff-Prozesse sind entscheidend für die Ausbreitung von radioaktiven Stoffen in Gewässern und müssen genau berücksichtigt werden.
- Es ist wichtig, dass Wechselwirkungen zwischen Radionukliden und Gewässersedimenten in die Modelle integriert werden, um die Entscheidungshilfen bei Notfällen zu optimieren.
- Das RODOS-System sollte um genauere Modelle erweitert werden, die auf dem neuesten Stand der Wissenschaft sind, um die Ausbreitung von Radionukliden bei Notfällen besser vorherzusagen.
- Die SSK empfiehlt, Open-Source-Modelle zu nutzen, da diese flexibilitäts- und anpassungsfähiger sind und von einer großen Gemeinschaft weiterentwickelt werden können.
- Durch diese Maßnahmen soll die Fähigkeit verbessert werden, radiologische Notfälle vorherzusagen und geeignete Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung zu treffen.
Abstract
Gemäß den §§ 97 bis 101 des Strahlenschutzgesetzes sind Notfallpläne für den Schutz vor radiologischen Notfällen erforderlich. Im Jahr 2023 wurde im Auftrag des Bundesumweltministeriums ein Allgemeiner Notfallplan des Bundes (ANoPl-Bund) erarbeitet, der Referenzszenarien für die Notfallreaktion festlegt. Diese Szenarien basieren auf Gefährdungsanalysen und betreffen radiologische Ereignisse mit großflächiger Kontamination. Das Bundesamt für Strahlenschutz nutzt das RODOS-System, um die Kontamination von Oberflächengewässern zu modellieren, jedoch sind die derzeit verwendeten Module noch nicht optimal ausgebaut für die Bedarfe des Notfallschutzes. Eine künftige Erweiterung ist geplant, um die Modellierung von Runoff-Prozessen und den Radionuklidtransport zu verbessern.
Das Bundesumweltministerium beauftragte die Strahlenschutzkommission (SSK), die Bewertung von Runoff-Prozessen zu analysieren und Vorschläge zur Erweiterung des RODOS-Systems zu machen. Dies umfasst die Analyse der Bedeutung von Runoff-Prozessen für die Kontamination von Gewässern, die Bewertung der Qualität des RODOS-Systems und die Berücksichtigung der Sedimentation von Radionukliden.
Die SSK empfiehlt, das RODOS-System um genaue Modellierungen der Runoff-Prozesse nach dem Stand der Wissenschaft und Technik zu erweitern. Open-Source-Modelle sollten wegen ihrer Flexibilität bei der Weiterentwicklung bevorzugt werden. Zusätzlich sollte der Transport von Radionukliden, einschließlich ihrer Wechselwirkungen mit Gewässersedimenten und die planmäßige erweiterte Nutzung des Systems zur Entscheidungsunterstützung im Notfall, einbezogen werden. Die Empfehlung enthält zudem eine wissenschaftliche Begründung, analysiert die Anforderungen des Notfallschutzes sowie die verfügbaren Modellansätze und schließt mit spezifischen Empfehlungen für die Auswahl und Implementierung geeigneter Modelle.
Besondere Betonung liegt auf der Wichtigkeit dieser Prozesse für den Notfallschutz und die Notwendigkeit zeitnaher Anpassungen des Systems, um relevante Risiken infolge der Freisetzung der Radionuklide in die Umwelt zu minimieren.
Weiterführende Informationen
Download des Volltextes
Publikation zitieren
Strahlenschutzkommission (SSK). Bedeutung von Runoff-Prozessen und der Radionuklidsorption an Sedimenten in Fließgewässern für den radiologischen Notfallschutz, verabschiedet in der 338. Sitzung der Strahlenschutzkommission am 28.10.2025.