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Ein Beratungsgremium des
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Klimaschutz und nukleare Sicherheit

Veröffentlicht am: Empfehlung

  • Berufliche Strahlenexposition
  • Strahlenrisiko

Radon-Dosiskoeffizienten für berufliche Expositionen

Empfehlung der Strahlenschutzkommission

Verabschiedet in der 341. Sitzung der Strahlenschutzkommission am 02./03. Februar 2026

DE [PDF, 3 MB]

URN: urn:nbn:de:101:1-2604151028260.474823591364

Geänderte Radon-Dosiskoeffizienten und deren Einführung in Deutschland

  • Die internationale Strahlenschutzkommission (ICRP) hat geänderte Radon-Dosiskoeffizienten empfohlen, die im beruflichen Strahlenschutz bei Radon-Expositionen relevant sind. Die neuen Werte führen dazu, dass das mit einer Exposition verknüpfte vorhergesagte Risiko für Lungenkrebsmortalität etwa doppelt so hoch ist, wie bislang angenommen. Die SSK hatte bisher fachliche Bedenken und eine Übernahme in deutsches Recht nicht empfohlen.

    Aufgrund der EU-weiten Empfehlung, diese Radon-Dosiskoeffizienten zu übernehmen, besteht in Deutschland nun gesetzgeberischer Handlungsbedarf.

    • Stützen wissenschaftliche Studien die Annahme eines höheren als bisher angenommenen Risikos?
    • Sind die verwendeten dosimetrischen und biokinetischen Modelle der ICRP ausreichend belastbar?
    • Ist die hier von ICRP erstmalig vorgeschlagene Einführung verschiedener Arbeitsplatzklassen sinnvoll??
    • Wäre ein Radon-Dosiskoeffizient von 3 mSv/(mJ h m‑3) ausreichend konservativ?
    • Sind die neuen Radon-Dosiskoeffizienten kompatibel mit Maßnahmen zum Radonschutz an Arbeitsplätzen wie dem Stufenmodell und einem Referenzwert von 300 Bq m‑3? Welche Anpassungen der Strahlenschutzprinzipien wären gegebenenfalls nötig?
    • Eine aktuelle Studie legt nahe, dass das lebenslange, zusätzliche (Lungenkrebs-)Risiko durch Radon-Exposition höher ist, als in den aktuellen regulato­rischen Vorschriften bisher angenommen.
    • Nach Ansicht der SSK sind die dosimetrischen und biokinetischen Modelle der ICRP mit großen Unsicherheiten behaftet.
    • Der Schutz vor Radon ist aufgrund des Wirkbereichs ein Sonderfall. Daher sieht die SSK die neuen Radon-Dosiskoeffizienten und die Einführung neuer Arbeitsplatzklassen kritisch. Die SSK empfiehlt im Radonschutz Grenz- und Referenzwerte ausschließlich auf Expositionsgrößen (Radon-Aktivitätskonzentration oder Kumulierte Radon-Aktivitätskonzentration) zu beziehen und auf Dosisgrößen zu verzichten.
    • Es werden Berechnungsformeln vorgeschlagen, die Dosisgrößen durch Werte einer Kumulierten Radon-Aktivitätskonzentration unter Berücksichtigung von Gleichgewichtsfaktor und jährlicher Expositionsdauer ersetzen können.
    • Diese hier beschriebene Abkehr von dem EU-weit vorgeschlagenen Verfahren, den ICRP-Empfehlungen zu folgen, soll zeitlich begrenzt bleiben. Es besteht der Wunsch, einen Revisionsprozess anzustoßen, um die hier formulierte fachliche Einschätzung künftig abgestimmt in die Arbeit der ICRP einbringen zu können. Das Ziel der internationalen Harmonisierung des Strahlenschutzes unterstützt die SSK, und es sollte gewahrt bleiben.

Abstract

Für berufliche Expositionen veröffentlichte die ICRP im Jahr 2017 mit Publikation 137 neue Radon-Dosiskoeffizienten, die auf biokinetischen und dosimetrischen Modellen basieren. Gestützt auf die Empfehlung „Radon-Dosiskoeffizienten“ der SSK vom Dezember 2017 wurden diese Koeffizienten bislang jedoch nicht in das deutsche Strahlenschutzrecht für Arbeitsplätze übernommen, da sowohl die Herleitung der von der ICRP empfohlenen Werte als auch deren behördliche Umsetzung auf fachliche Bedenken stießen. 

Angesichts der Empfehlung zur Übernahme der Dosiskoeffizienten durch die „Group of Experts referred to in Article 31 of the Euratom Treaty“ und durch die EU-Kommission entsteht jedoch erneuter gesetzgeberischer Handlungsbedarf. Das vorliegende Papier der SSK analysiert die mit einer möglichen Übernahme der von ICRP empfohlenen Dosiskoeffizienten verbundenen Fragestellungen. Dabei wird deutlich, dass zentrale Probleme weiterhin ungelöst bleiben und die vorliegenden Ansätze nur eingeschränkt zu belastbaren Antworten führen.

Vor diesem Hintergrund ordnet die SSK die bestehenden Schwierigkeiten in einen übergeordneten konzeptionellen Rahmen ein und diskutiert die zugrunde liegenden Strahlenschutzprinzipien. Aufbauend auf dieser Analyse formuliert sie Empfehlungen, die über die ursprüngliche Fragestellung hinausweisen und zeigen, wie Radonschutz auf Basis der bereits etablierten deutschen Strahlenschutzsystematik kohärent und praxisgerecht weiterentwickelt werden kann.

Weiterführende Informationen

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Publikation zitieren

Strahlenschutzkommission (SSK). Radon-Dosiskoeffizienten für berufliche Expositionen, verabschiedet in der 341. Sitzung der Strahlenschutzkommission am 03.02.2026. www.ssk.de/publikationen/2026-02-03-radon-dosiskoeffizienten

 

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